• Kaapstad oder Kapstadt?

    Und warum nennt man Kapstadt eigentlich die Mother City?

… das werde ich von meinen Gästen immer wieder gefragt. Auf der Suche nach einer Antwort begeben wir uns am besten in den Company’s Garden im Herzen von Cape Town. Wir drehen die Zeit um einige hundert Jahre zurück. Der Verkehrslärm verstummt, die Touristenschwärme lösen sich auf, die sorgsam angepflanzten Beete und exotischen Pflanzen verschwinden.

Blick auf den Tafelberg vom Company’s Garden

Inmitten des Company‘s Garden beginne ich meine Stadttour mit Freunden am liebsten. Majestätisch erhebt sich der Tafelberg zu unserer rechten Seite. Links, in der Ferne, vor unseren Blicken verborgen – das Meer. Jan van Riebeck kommt dieser Standort gerade recht, als er hier 1652 mit der Schifffahrtsgesellschaft „Holländisch-Ostindischen Kompanie“ (bekannt unter dem Akronym VOC – Vereenigde Oost-Indische Compagnie) anlegt.

Versorgungsstation in der Bucht von Kaapstad

Denn auf der Seeroute nach Indien stellt das Kap – die südwestlichste Spitze des afrikanischen Kontinents – eine besondere Herausforderung dar: Unzählige Seefahrer werden hier vom wütenden Meer und seiner gnadenlosen Küste bezwungen. Die Vermutung liegt also nahe, dass das Kap der guten Hoffnung seinen Namen erhielt, weil eine baldige Umrundung der gefährlichen Spitze Südafrikas in Aussicht stand!

Die Route der Schifffahrtsgesellschaft „Holländisch-Ostindischen Kompanie: von den Niederlanden über Lissabon rund ums Kap nach Indien

Auf dem Hinweg hieß es also noch einmal Kraft tanken vor der Umschiffung des Kaps, auf dem Rückweg aus Indien heißt es dann „geschafft!“ – und die ausgezehrten Seeleute haben sich einen Stopp verdient und ggf. bitter nötig. Die Bucht, in der Kapstadt später gegründet wird, kam dementsprechend gerade Recht zur Versorgung von Kranken, Wartung der Schiffe und Aufstockung des Proviants. Geschützt vor dem stürmischen Wind und der rauen See etablieren die Holländer hier einen sicheren Ankerplatz – und legen einen Grundstein für die Kolonialisierung Südafrikas.

Company’s Garden und Castle of Good Hope

Die VOC Vegtable Gardens im Herzen der Stadt

Doch woher beziehen die Holländer ihre benötigten Lebensmittel in dieser unerschlossenen Region? Zwischen Tafelberg und Meer legen sie eine Gemüseplantage an – den Company’s Garden, in dem wir gerade stehen. Die Böden sind fruchtbar und durch die Abschüssigkeit zum Tafelberg zu unserer Rechten ist die Wasserzufuhr der Beete garantiert. Genau auf halber Strecke zwischen Meer und Tafelberg wurde er angelegt. Hier findet er sich noch heute, nur ist es inzwischen nicht mehr die Halbe Distanz zum Meer – durch den Ausbau des Kapstädter Hafens beschließt er nunmehr das 1. Drittel der Strecke vom Tafelberg zur Küste.

Wo einst das Meer aufbrandete lässt Jan van Riebeck zudem das Castle of Good Hope als sichere Befestigungsanlage errichten. Das Fort soll mit fünf Bastionen aus Erde und Holz den holländischen Siedlern Schutz bieten. Heute stellt das Casteel de goide Hoop das älteste noch erhaltene und von Europäern entworfene Gebäude in Südafrika dar – und liegt nicht durch die Ausweitung des Festlandes nun auch nicht mehr am Meer.

Sklaven der Kolonien als Arbeitskräfte

Und wer stemmt die Arbeit in der neuen Versorgungsstation? Anfangs wird sie von Beschäftigten der VOC betrieben. Da die Holländer mit den einheimischen Khoisan aber keine dauerhafte Zusammenarbeit in ihrem Sinne etablieren können, schiffen sie nach und nach ihre Sklaven aus den Kolonien Madagaskar, Indien und Indonesien ein. Die ehemalige Sklavenunterkunft Slave Lodge am Company’s Garden erzählt heute noch deren Geschichten.

„Cape Malayian“ Kochkurse gibt es im Boo-Kap (über uns buchbar)

Während die Niederländer heute in Form der Buren selbst und der Sprache Afrikaans  sowie dem Kap-Niederländischen Baustil („Cape Dutch“, reed-gedeckte Giebel-Dächer u.a.) noch sehr präsent sind, haben auch die ehemaligen Sklaven Ihre kulturellen und kulinarischen Spuren hinterlassen: So gilt die Kap-Malaiische Küche als eine der Spezialitäten Kapstadts – mit vielen Gewürzen und Curries („Cape Malayian Cuisine“).

Älteste Stadt Südafrikas

Die ehemaligen Angestellten der VOC siedeln sich allmählich rings um die Versorgungsstation an. Einwanderer, vorwiegend aus den Niederlanden und Deutschland, kommen hinzu. Ihre Nachfahren gelten heute als die Buren. Nach und nach entsteht die erste und älteste Stadt Südafrikas. Kein Wunder also, dass Kapstadt heute von Einwohnern liebevoll als „Mother City“ bezeichnet wird!

Nicht nur durch Kapstadts atemberaubende Lage, sondern ebenso durch ihren Reichtum an Geschichte und Kultur darf die Mother City auf einer Reise ins südliche Afrika nicht fehlen. Deshalb ist sie Ausgangs- oder Endpunkt vieler Afrika-Reisen, die ich individuell für meine Gäste zusammenstelle. Wie eine solche Reise aussehen kann, siehst Du zum Beispiel hier:

Als die Engländer die Niederländer ablösten…

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