• Bushmen, Khoikhoi, San und Khoisan...

    Wer sind Südafrikas Ureinwohner, nicht die Xhosa und Zulu?!

Obwohl die Xhosa und Zulu Südafrika lange vor der Ankunft der Europäer besiedelten, können wir sie trotzdem nicht als Ureinwohner Südafrikas bezeichnen. Denn eine andere Bevölkerungsgruppe kam ihnen zehntausende von Jahren zuvor. Willkommen in der Wiege der Menschheit: Afrika!

(Süd)afrika als die Wiege der Menschheit

Die San sind die ältesten und ersten Bewohner des südlichen Afrikas, von denen wir wissen. Und nicht nur das: Umfangreiche Genstudien belegen, dass die San älter als alle anderen Volksgruppen des modernen Menschen sind. Wird Afrika also als Wiege der Menschheit bezeichnet, so trifft das auch – oder sogar insbesondere – aufs südliche Afrika zu!

Weitere Hinweise finden sich in den Klasies River Mouth-Höhlen zwischen Kapstadt und Port Elizabeth: Archäologische Funde legen nahe, dass sich der moderne homo sapiens hier schon vor 120.000 Jahren herumtrieb. (Wenn unser aller Vorfahren das Kap schon damals als lebenswert befanden – so wird es wohl höchste Zeit, dass auch Du Dich einmal dort umsiehst – auf einer Reise entlang der Garden Route).

Die San – Ureinwohner Südafrikas

Doch wer sind die San? Als wandernde Jäger und Sammler lebten sie jahrtausendelang in perfektem Einklang mit der Natur – denn nur so überlebt man unter härtesten Bedingungen. So tun sie es noch heute in der Kalahari, jener Halbwüste, die sich über weite Teile Botswanas, Namibias und bis nach Südafrika hinein erstreckt. Dort kannst du die indigene Volksgruppe z.B. auf dieser Reise besuchen.

Abspaltung der Khoikhoi von den San

Mit der Zeit spalteten sich Untergruppen der San ab. Diese lebten zwar weiterhin als Nomaden, gingen jedoch der Viehzucht nach und schafften bald ihre eigenen, stärker differenzierten Gemeinschaften. Diese neuen Gruppen bezeichneten sich selbst als „Khoikhoi“ („Menschen-Menschen“ oder „richtige Menschen“) und fanden für ihre Vorfahren den Namen „San“ („Außenseiter“). Auch geografisch grenzten sich die Khoikhoi zunehmend ab und wanderten in Richtung Küste ab, wohingegen die San vorwiegend im Landesinneren verblieben.

Namibia Kalahari Bagatelle Bushman Village

Bushman Village in der Kalahari

Abfällige Namensgebung der europäischen Siedler für die Ureinwohner

Als sich die Europäer schließlich im südlichen Afrika ansiedelten (über die Ankunft der Niederländer und Engländer am Kap kannst du hier lesen), trafen sie auf ebendiese beiden indigenen Stämme (San und Khoikhoi). Die Niederländer nannten die Khoikhoi bald „Hottentotten“, vielleicht in Anlehnung an die Klicklaute ihrer Sprache, welche sie an ein Stottern erinnert haben könnte (im Afrikaans „hottentots“). Die San dagegen wurden nicht minder degradierend als „Bushmen“ bezeichnet. Das Wort „Khoisan“ wiederum wurde von Europäern als Sammelbegriff für beide indigene Stämme aufgrund gemeinsamer „rassischer“ Merkmale eingeführt.

Wo bleibt die Political Correctness?

Aus Mangel an Alternativen werden die Worte „Khoisan“, „Khoikhoi“ und „San“ und vor allem „Bushmen“ als „Sammelbegriff“ weiterhin verwendet. Besonders problematisch erscheint dies bei den Begriffen „Bushmen“ und „San“, wurden doch beide von Niederländern bzw. Khoikhoi als diskriminierende Bezeichnungen entwickelt und verwendet.

Es wird weiterhin diskutiert, welcher der beiden Begriffe politisch korrekt sei und verwendet werden sollte – und es gibt keine eindeutige Lösung. Während „San“ zumindest in Südafrika offiziell genutzt wird, haben die indigenen Volksgruppen selbst keine Bezeichnung für die ihnen gemeinsame Bevölkerungsgruppe. Und wenn dies nur eines zeigt, dann das seit Anbeginn der Menschheit Bezeichnungen für Menschengruppen nicht politisch korrekt waren und man die political correctness der Neuzeit vielleicht auch übertreiben kann.

Erbe der San und ihre heutige Lebensweise

Die Buschmänner verstehen die Erde und Natur – so überleben sie auch in der Kalahari

Die Bevölkerung der San wird heute nur noch auf 100.000 in Botswana, Südafrika, Namibia und Angola geschätzt. Die meisten von ihnen arbeiten als Angestellte auf Farmen und nur noch wenige gehen ihrem traditionellen Leben als Jäger und Sammler nach, unter anderem weil ihnen ihr Land durch die Regierung immer wieder streitig gemacht wurde.

Berühmte und wunderschöne Höhlenmalereien sind nur ein kleiner Teil der reichhaltigen Kultur der San, welche Du in Namibia oder Botswana begutachten kannst. Faszinierende Einblicke in ihr ursprüngliches Leben im Einklang mit der Natur kannst Du im Zuge einer Village Excursion z.B. auf dieser Reise durch Namibia und Botswana gewinnen. Bitte sprich mich bei Interesse an einer solchen Tour an, denn es gibt riesige Unterschiede und nicht alle Programme sind leider von Respekt und Verständnis geprägt.

Die Ureinwohner Südafrikas

Die Ureinwohner Südafrikas sind also die San & Khoikhoi. Aber wer sind die Xkhosa & Zulu, die heute allgemein als die beiden primären einheimischen Stämme Südafrika angesehen werden. Nun auch sie sind Zugezogene, allerdings weit vor den europäischen Kolonialisten. Im Zuge von Migrationswanderungen – wohl ursprünglich aus Zentralafrika kommend – besiedelten kleinere Gruppen der Bantu-sprechenden Völker Südafrika. Die genaue Datierung ist umstritten, aber man geht davon aus, dass die Migrationswanderungen mehrere hundert Jahre v. Chr. begannen und bis ins erste Jahrtausend n. Chr. andauerten.

Während die allerersten Einwohner Südafrikas, die Khoisan, als wandernde Jäger, Sammler und Viehzüchter lebten, so ließen sich die Bantu-sprechenden Gruppen der Xhosa und Zulu dauerhaft nieder, unter anderem im heutigen KwaZulu-Natal (der Bundesstaat im Osten Südafrikas, in dem Durban liegt). Die Neuankömmlinge waren geschickt im Schmieden und Töpfern und gingen dem Anbau von Mais und Getreide nach. Sie werden deshalb heute häufig als Vorfahren der meisten Südafrikaner bezeichnet.

Zusammentreffen von Khoisan und Bantu in KwaZulu-Natal

Felsenmalereien und Fundstücke belegen den Kontakt zwischen Khoisan, den Nomaden, und den neuen, sesshaften Siedlern. Ungeklärt bleibt, ob und in welche Konflikte die Bevölkerungsgruppen traten. Für ein friedvolles Zusammenleben spricht in jedem Fall, dass einige der südafrikanischen Bantu-Sprachen die Klicklaute der Khoisan übernahmen. Auf diese Weise entstanden die Sprachen, die wir heute unter anderem als isiXhosa und isiZulu kennen.

Verständige Dich mit den Xhosa und Zulu in ihrer Muttersprache >>>