• Auf den Spuren der englischen Kolonialzeit

    Wie von der Kapkolonie zu Zeiten Cecil John Rhodes die Republik Südafrika wurde

Was haben ein Allergiker, Diamanten, Rhodesien und die Eisenbahnlinie Kapstadt-Kairo gemeinsam? Wir stehen in Kapstadt vor einer der wenigen Statuen, über die ich tatsächlich etwas zu erzählen weiß. Mit ausgestreckter Hand und hoch erhobenen Hauptes grüßt uns Cecil John Rhodes von seinem Sockel inmitten der grünen Idylle des Company’s Garden. Wer war dieser Engländer, der Geschichte schrieb?

Statue von Sir Cecil John Rhodes im Company’s Garden

Wegen gesundheitlicher Beschwerden, so heißt es, reist der nur 17-jährige Cecil Rhodes ans südafrikanische Kap, da sein Arzt ihm Linderung bezüglich seiner Allergien verspricht. Die Luft hier ist klirrend klar – noch heute –, denn der starke Wind, der sich vom Tafelberg kommend zum Meer hinausfegt, beseitigt Pollen und Feinstaub. Nicht nur Rhodes, sondern abertausende Allergiker freuen sich jährlich über dieses Klima.

Rhodes im Diamantenrausch

Ein Jahr nach seiner Ankunft wird Rhodes vom Diamantenrausch in Kimberley in der Northern Cape Province eingeholt. Diamantengräber schürfen anfangs in je abgezirkelten Feldern, doch nach ein paar Sensationsfunden fehlen Maschinen und Technik, um die nötige Tiefe für die Grabungen zu erreichen. Rhodes kauft die Schürfrechte zum Spottpreis auf, gründet die Bergbaugesellschaft De Beers und macht ein Vermögen. Sein Trick: statt selbst in einer Parzelle nach Diamanten zu schürfen, lässt er lieber suchen und etabliert sich für seine und andere Diamantengräber als zentraler Mittelmann für den Diamanten An- und Verkauf.

Politiker und Imperialist von Rhodesien

Nur ein Jahr später läutet Rhodes seine politische Karriere ein. Er wird Mitglied des Parlaments der Kapkolonie, später Premierminister. Er ist ein großer Verfechter des Commonwealth, und so „erwirbt“ er für Großbritannien zahlreiche Kolonien. Sambia und Simbabwe werden als Nord- und Süd-Rhodesien nach ihm benannt.

Die Kolonien des heutigen Südafrikas zu Zeiten der Engländer und Niederländer

Einer Verlängerung seiner Zeit als Premierminister steht der blutige Burenkrieg im Wege. In diesem Krieg standen sich Großbritanniens (welche die Kapregion von den Niederländischen Einwandern annektiert hatten) und die Buren (die ehemaligen Niederländer) in der Transvaal Region entgegen. In dieser Region, die heute besser nach bekannt ist als der nach dem Niederländer Paul Kruger benannten Krüger Nationalpark, entstand von den Buren die Südafrikanische Republik (ZAR).

Kap-Kairo-Plan

Cecil Rhodes träumt währenddessen von einer Verbindung aller Kolonien des Britischen Empires. Durch den Bau einer durchgängigen Eisenbahnlinie von Kapstadt bis Kairo erhofft er sich den Ausbau des Handels ebenso wie eine Erleichterung von Besiedlung, Verwaltung und Militäraktionen. Die ambitionierten Pläne des Imperialisten werden nur teilweise umgesetzt, bevor der Engländer mit gerade mal 48 Jahren in Muizenberg bei Kapstadt verstirbt.

Natürlich wird Cecil John Rhodes als Kolonialist heute sehr kritisch betrachtet. Zeitzeugen können wir freilich nicht mehr befragen, aber einige Hinweise deuten auf seine nicht rein negative Rolle in Südafrikas Geschichte hin: So gibt es heute unter anderem noch eine Rhodes University und Rhodes Stipendien für Studenten. Besonders interessant erscheint aber, dass er nach seinem Tod in Simbabwe (Süd-Rhodesien) auf dem Friedhof der Könige begraben wurde, wo sein Grab heute noch besucht werden kann.

Kapstadt und seine Kolonialgeschichte

Auf dem Weg über die M5 vom Stadtzentrum nach Muizenberg passieren wir das Denkmal für den Diamantenunternehmer, Politiker und Imperialisten. Nicht nur für eine Diskussion, ob das Rhodes Memorial gerechtfertigt ist, lohnt sich ein Stopp. Wir halten die Luft an – nicht wegen unserer Allergien. Wegen des Blicks über Kapstadt natürlich.

Der Weg hat uns soeben aus dem Comany’s Garden im Stadtzentrum über die bunten Hauser des Boo-Kap unterhalb des Lions Head & Signal Hill hinaus um den Devil’s Peak geführt, die „links“ vom Tafelberg gelegene Bergspitze. Auf seiner Rückseite passieren wir den beeindruckten Campus der University of Cape Town (UCT), die prämierten Kirstenbosch Botanischen Gärten und die ältesten Weinberge des Landes – die Constantia Winelands. Es gibt noch soviel zu erkunden…

Auf dem Weg über die M5 vom Stadtzentrum nach Muizenberg passieren wir das Denkmal für den Diamantenunternehmer, Politiker und Imperialisten. Nicht nur für eine Diskussion, ob das Rhodes Memorial gerechtfertigt ist, lohnt sich ein Stopp. Wir halten die Luft an – nicht wegen unserer Allergien. Wegen des Blicks über Kapstadt natürlich.

Durch Kapstadts atemberaubende Lage, Geschichte und Kultur darf die Mother City auf einer Reise ins südliche Afrika nicht fehlen. Deshalb ist die Stadt Ausgangs- oder Endpunkt vieler Afrika-Reisen, die ich individuell für meine Gäste zusammenstelle. Wie eine solche Reise aussehen kann, siehst Du zum Beispiel hier: