• Auf Nelson Mandelas Spuren II

    Der lange Weg in die Freiheit

„Long Walk to Freedom“ heißt die inspirierende Biographie von Nelson Mandela. Sein Kontrast zur Apartheid prägt Südafrikas Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Deshalb ist eine kleine Geschichtsstunde obligatorisch für alle Reisenden, die ich durch Kapstadt begleite. Denn so tragisch die Geschichte auch ist, so sehr macht Sie das heute positiv-optimistische, multikulturelle und weltoffene Südafrika spürbar – und inspiriert …

Mandelas Kampf für den ANC und im Untergrund

Der junge, aufstrebende Jura-Student Mandela tritt 1944 in die Partei der Interessensvertretung der Schwarzen ein, dem „African National Congress“ (ANC). Hier wird er schnell zu einer Schlüsselfigur im Kampf für ein freies, demokratisches und gleiches Südafrika. Von großer Bedeutung in dieser Zeit war Albert Lutuli, der als Präsident der ANC für seinen friedlichen Kampf gegen die Apartheid bereits 1960 den Friedensnobelpreis erhielt. Er war damit auch der erste Afrikaner (und Nicht-Europäer/Amerikaner), der mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Als die ANC-Partei verboten wird, organisiert Nelson Mandela aus dem Untergrund den radikalen Widerstand gegen das System. Auf der Suche nach militärischer und finanzieller Unterstützung geht er – entgegen aller Verbote – ins Ausland und wird bei seiner Rückkehr verhaftet. Es folgt ein großer Gerichtsprozess und ein legendäres Plädoyer Mandelas für ein freies Südafrika, für das er – wenn nötig – zu sterben bereit ist:

„Mein ganzes Leben habe ich dem Kampf der Afrikaner gewidmet Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft und ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft. Mein Ideal ist eine demokratische und freie Gesellschaft, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammenleben. Es ist ein Ideal, für das es sich zu leben und zu kämpfen lohnt. Aber wenn es sein muss, bin ich auch bereit, dafür zu sterben.“ – Nelson Mandela, Rivonia trial, 20. April 1964

“During my lifetime I have dedicated myself to this struggle of the African people. I have fought against white domination, and I have fought against black domination. I have cherished the ideal of a democratic and free society in which all persons live together in harmony and with equal opportunities. It is an ideal which I hope to live for and to achieve. But if needs be, it is an ideal for which I am prepared to die.” – Nelson Mandela, Rivonia trial, 20. April 1964

Inhaftierung Mandelas auf Robben Island

Vielleicht ahnte der Richter, dass er mit verhängen der „üblichen“ Todesstrafe einen Märtyrer schaffen würde. In jedem Fall entkommt Mandela mit 45 Jahren so der Hinrichtung nur knapp und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Fast 30 Jahre wird er in Haft verbringen, 17 davon auf der berühmten Gefängnisinsel Robben Island. Ein Besuch der Insel darf bei einer Reise nach Kapstadt nicht fehlen. Zeitgenossen, die Mandela selbst kennengelernt haben, erzählen hier aus erster Hand ihre bewegenden Geschichten.

Was im Gefängnis trotz harter, körperlicher Arbeit und Repression mit Mandela geschieht, scheint unglaublich: Seine Person bricht nicht. Statt zu verbittern und aufzugeben, wächst Mandelas innere Stärke. Er wird auch im Gefängnis zu einer inspirierenden, beliebten Führungsperson von großer Integrität und Standkraft. Es gelingt ihm die Gefängnisbedingungen maßgeblich zu verbessern und ein Bildungssystem zu entwickeln, durch das die Gefangenen Lesen, Schreiben und Grundsätze des politischen Freiheitskampfs erlernen.

Sein Wesen beschreibt sein Lieblingsgedicht wohl am besten – Invicutus (Unbezwungen) von William Ernest Henley.

Aus dieser Nacht, die mich umhüllt,
von Pol zu Pol schwarz wie das Grab,
Ich dank, welch Gott es geben mag,
dass unbezwung’n ist meine Seel.….

[…]

ICH bin der Meister meines Los‘,
ICH bin der Captain meiner Seele

Out of the night that covers me,
Black as the Pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.  

In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years  
Finds, and shall find, me unafraid.  

It matters not how strait the gate,
How charged with punishment the scroll,
I am the master of my fate,
I am the captain of my soul.

Das Gedicht ist Namensgebung für den großartigen Film über Nelson Mandela und Den Rugby World Cup 1995 in Südafrika, und seine bedeutende Rolle für die Aussöhnung des Landes. Hier geht’s zur DVD bei Amazon:

Mandela als weltweites Symbol für die Ungerechtigkeit der Apartheid

Während sich die Unterdrückung des Apartheid Regimes und der oft blutige Widerstand der Schwarzen fortsetzen, steigt der internationale Druck auf Südafrika: Meinungsführer aller Hautfarben und Nationalitäten sprechen sich für eine Beendigung der Repression und Freilassung Mandelas aus.

Menschen auf der ganzen Welt demonstrieren und zeigen ihre Unterstützung. Von großer Bedeutung wird der Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, der für seinen Kampf gegen die Apartheid als zweiter Südafrikaner 1983 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird und auf den später die Bezeichnung Südafrikas als „Regenbogen-Nation“ (rainbow nation) zurückgeht.

Free Nelson Mandela World Concert

Zum 70. Geburtstag findet ein Aufsehen erregendes Konzert im berühmten Londoner Wembley Stadion statt. Es wir am 11. Juni 1988 live in 67 Länder übertragen und erreicht 600 Millionen Zuschauer. Internationale Musiker-Größen wie George Michael, Whitney Houston und die Bee Gees treten auf und fordern damit der Freilassung Nelson Mandelas. Ende der 1980er Jahre wird der Druck auf die weiße Regierung zu stark und sie muss sich beugen: Stück für Stück zerfällt das System der Apartheid, das Verbot des ANC wird aufgehoben und Mandela erlangt mit 71 Jahren endlich die Freiheit.

„All die Jahre im Gefängnis konnten unser Streben nach Freiheit nicht ausmerzen. Jahre der Unterdrückung und Gewalt konnten uns nicht stoppen. Und wir werden jetzt auch nicht stoppen!“ – Nelson Mandela, Pressekonferenz, 26. April 1994

„Years of imprisonment could not stamp out our determination to be free. Years of intimidation and violence could not stop us. And we will not be stopped now.“
– Nelson Mandela, Press Conference, 26. April 1994

Wie Nelson Mandela nach seiner Freilassung seine friedliche Revolution fortführt und die demokratische Transformation Südafrikas gelingt, liest du hier.  >>>